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Die Täter-Opfer-Umkehr der Almans
Wenn ich die Energie habe, fronte ich sie und weise nett darauf hin, dass ihre Fragen, Tipps und das „Lob“ unangebracht bis übergriffig sind. Zumal ich Ursula und Renate meist nicht mal persönlich kenne. Oft spare ich mir den Aufwand, weil ich weiß, was für ein Rattenschwanz an emotionaler Arbeit wie Trösten eine solche Kritik mit sich zieht. Wenn ich großzügig bin, gebe ich den Leuten noch etwas Kontext dazu: dass es rassistisch ist, mich zu fragen, woher ich komme, und sich nicht mal mit meiner norddeutschen Geburtsstadt zufrieden zu geben. Dass es dickenfeindlich ist, ungefragte Selbstoptimierungstipps zu geben. Und so weiter.
Was mich an diesem vorhersehbaren Plot am meisten verblüfft, ist eigentlich Folgendes: Ich habe sie dafür kritisiert, etwas Diskriminierendes gesagt zu haben, und das in einem sehr gelassenen und wohlwollenden Ton. Ich könnte angepisst sein, bin es aber nicht. Sie schon. Und wie! Ich bin die Person, die (wenn auch nicht immer mit Absicht) angegriffen wurde, aber Ursula und Renate sind die Wütenden. Die Opfer. Ist zwar irgendwie absurd, aber sie sind auch Almans, und Deutschland ist ein Meister in Täter-Opfer-Umkehr. Opfer-Abos unterstellen Almans aber trotzdem denjenigen, die sich gegen Aggressionen wehren. Komisch.
This post was edited by TillSchweiger on Jun 2 2019 02:12pm