zum vielfach - auch in diesem thread - gebrachten totschlagargument "aber die wissenschaft ist sich doch einig in bezug auf den klimawandel":worin sich die wissenschaft einig ist, ist, dass der rapide anstieg der globalen durchschnittstemperatur in den letzten 150 jahren hauptsächlich anthropogen, also vom menschen verursacht ist.
und darin, dass die menschheit so langsam etwas unternehmen muss, wenn sie eine weitere klimaerwärmung verhindern oder abschwächen will.
welche maßnahmen dazu in welchem umfang und wo notwendig sind, ist wesentlich unsicherer. zudem ist die ganze thematik erheblichen politiischen einflüssen unterworfen, die die klimawissenschaft für ihre zwecke und partikularinteressen nutzen.
um nur mal ein beispiel zu nennen: neue forschungserkenntnisse deuten sehr stark darauf hin, dass die CO2-sensitivität bisher zu hoch veranschlagt wurde. diese gibt an, um wieviel grad sich das klima pro verdopplung der atmosphärischen CO2-konzentration erwärmt.
in diesem bereich forscht jochem marotzke, direktor des hamburger max-planck-instituts für meteorologie, leiterautor eines der kapitel des aktuellsten berichts des "weltklimarats" IPCC von 2018 und koryphäe auf seinem fachgebiet mit über 260 publikationen zu klimaforschung in peer-reviewed journals.
für einen fachlichen überblick, siehe zb hier:
http://www.mpimet.mpg.de/kommunikation/aktuelles/im-fokus/klimasensitivitaet/in einem interview mit dem spiegel hat er diese neuen erkenntnisse erläutert, siehe hier:
https://www.spiegel.de/plus/klimawandel-galgenfrist-verlaengert-a-00000000-0002-0001-0000-000159786817da dieses interview hinter einer bezahlschranke ist, hier mal eine seite, die ein paar auschnitte aus diesem interview zusammenfasst:
http://diekaltesonne.de/klimamodellierer-jochem-marotzke-mehr-zeit-zur-dekarbonisierung-fruhere-klimamodelle-waren-zu-empfindlich/ja, das ist eine klimawandel-skeptiker-seite, die ich nur verlinke wegen der paywall um den spon-artikel. wohlgemerkt: ich zitiere im folgenden nicht deren begleitkommentare sondern nur aus dem spiegel-interview!
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MAROTZKE: [...] Denn nach den neuesten Klimaszenarien ist die CO2-Menge, die wir noch freisetzen können, weitaus größer als bisher angenommen – eine fundamentale Erkenntnis.
SPIEGEL: Wir hätten also Zeit gewonnen, die CO2-Emisionen zu verringern?
MAROTZKE: Ganz genau, darauf deuten jedenfalls die verbesserten Modelle hin. Unser verbleibendes CO2-Budget für das 1,5-Grad-Ziel ist wohl mindestens doppelt so groß wie gedacht, fast tausend Gigatonnen.Dadurch verlängert sich unsere Galgenfrist um rund zehn Jahre. Es macht natürlich einen Riesenunterschied, ob wir den Ausstoß von Treibhausgasen schon in 15 oder erst in 25 Jahren auf null bringen müssen. Ich gehe davon aus, dass dies in dem Sonderbericht die zentrale Botschaft sein wird.
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Marotzke vermutet im Interview, dass der 1,5-Grad-Bericht des IPCC die Relativierung der Klimagefahr bereits zum Thema machen würde. Der Bericht kam drei Tage nach dem Interview heraus und enthält das glatte Gegenteil, nämlich verschärfte Klimawarnungen.
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SPIEGEL: Warum wurde die Grenze von 2 Grad auf 1,5 Grad abgesenkt?
MAROTZKE: Das kam auch für uns Klimaforscher überraschend. Vor allem die westpazifischen Inselstaaten bestanden bei den Pariser Verhandlungen auf 1,5 Grad, weil sie schon bei 2 Grad vom Anstieg des Meersspiegels bedroht wären. In den meisten Weltregionen jedoch, insbesondere in Europa, erwarten wir keine großen Unterschiede zwischen einer 1,5-Grad-Welt und einer 2-Grad-Welt.
also: bahnbrechende neue erkenntnis: wir haben 10 mehr zeit als bisher angenommen. einer der renommiertesten klimaforscher weltweit, der selbst der fachlichle leiter eines der kapitel des 2018er IPCC berichts ist, geht davon aus, dass dies die zentrale botschaft dieses berichts sein wird.
drei tage nach dem spiegel-interview kommt der bericht heraus, thematisiert diesen zeitgewinn gar nicht sondern begräbt ihn im fachteil, den kaum jemand je liest oder zur kenntnis nimmt und verschärft stattdessen die warnungen. auch die medien übernehmen natürlich nur diese verschärfung der warnungen, der neue forschungsstand zur CO2-sensitivität und dass wir 10 jahre mehr zeit haben wird komplett unter den teppich gekehrt.
zudem wird das reduktionsziel von 2 grad auf 1.5 grad gesenkt, obwohl dies laut dem deutschen spitzen-klimaforscher in den meisten weltgegenden und insbesondere europa kaum einen unterschied macht. er selbst, der deutsche spitzen-klimaforscher und mitautor dieses berichts, bestätigt, dass ein politischer und nicht etwa ein wissenschaftlicher grund hinter dieser verschärfung des reduktionsziels steht.
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das nur mal um aufzuzeigen, wie manipulativ die berichterstattung zum klimawandel ist und wie sehr sowohl diese berichterstattung als auch der IPCC bericht von politischen erwägungen überlagert und verzerrt werden.
wer also behauptet "die ganze wissenschaft steht geschlossen hinter dem klimabericht", der betreibt schlicht und ergreifend missinformation.
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imho ist es völlig illusorisch, sowohl die usa als auch china und indien zu den radikalen maßnahmen zu bewegen, die für die erreichen des 1.5- oder auch nur des 2-grad ziels erforderlich wären. und die aufstrebende mittelschicht in den entwicklungsländern asiens und afrikas wird sich zumindest teile des "westlichen" lebens- und konsumstandards auch nur schwerlich nehmen lassen. daher führt in meinen augen mittelfristig sowieso kein weg daran vorbei, im kampf gegen klimawandel nicht ausschließlich auf verzicht und verbote zu setzen, sondern auch auf geoengineering. siehe zb hier:
https://www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/kampf-gegen-den-klimawandel-ein-kuehlender-schirm-fuer-die-erde-wuerde-zwei-milliarden-kosten/23750734.html?ticket=ST-6079612-wDaJia5IN10HOQzqRlqS-ap5This post was edited by Black XistenZ on May 27 2019 08:30am