https://www.welt.de/kultur/medien/article193777609/Migrationspakt-Michael-Haller-kritisiert-Leitmedien.htmlQuote
„Die Medien“, urteilt der ehemalige „Spiegel“- und „Zeit“-Journalist auf Basis seiner Auswertung, „haben das Konfliktthema verschlafen“. Die Deutung liege nahe, „dass die Leitmedien weiterhin der Agenda der institutionellen Politik und ihrer Elite folgen und Konfliktstoff erst bearbeiten, wenn er von den Polit-Akteuren öffentlich thematisiert wird“.
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Nun belässt es Haller in seiner Analyse nicht bei diesem pauschalen Urteil. Sein Team hat nach eigenen Angaben rund 700 Beiträge in „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Bild“, „taz“ und WELT sowie Stichproben der ARD-„Tagesschau“ ausgewertet. Für alle ausgewerteten Leitmedien kommt er zu dem Schluss, dass sie „sehr spät, aber dann kraftvoll in den öffentlichen Diskurs“ eingestiegen seien.
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„FAZ“ und WELT sei es dabei gelungen, informative Übersichten und Analysen zu veröffentlichen und dabei unterschiedliche Positionen über Sinn und Zweck des Paktes zu vermitteln, auch Leserargumente seien diskutiert worden. Beide Zeitungen widerlegten die Vorwürfe vor allem seitens der AfD, heikle Aspekte des UN-Paktes seien verschwiegen worden.
Während die „Bild“-Zeitung vor allem die innerpolitischen Konflikte in den Vordergrund gestellt habe, hätten „Süddeutsche“, „taz“ und „Tagesschau“ dagegen eher als „Propagandisten des Pakt-Projekts“ agiert. Vor allem weil sie Gegenargumenten kaum Raum gegeben hätten und sich letztlich, urteilt Haller, „dem Diskurs entzogen“. Zu wenig hätten vor allem diese Medien zwischen der Darstellung des Sachverhalts und der Kommentierung getrennt.
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Seien aus der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise die richtigen Schlussfolgerungen gezogen worden? Haller sieht entsprechend zu dem jeweiligen Ansatz der Zeitungen nur einen bedingten Lerneffekt. Für die „Tagesschau“ kommt er sogar zu einem deutlich negativen Urteil: sie sei in ihren Beiträgen „ihrem tradierten Leitbild des moralisierenden Belehrungsjournalismus“ gefolgt.