ein lesenswerter artikel:
https://www.welt.de/debatte/kommentare/article173925055/Tuerkei-Warum-ist-Erdogans-Hass-so-erfolgreich.htmlQuote
Wie kann man mit Islamisten verhandeln? Lassen sich die verschiedenen Strömungen islamistischer Politik so weit ordnen, dass Verhandlung und Ausgleich überhaupt möglich werden?
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Das türkische System verspricht inzwischen der islamischen Welt Hoffnung auf Verbesserung der Lebensumstände einfacher Menschen, so ähnlich wie die Kommunistische Partei Chinas den Bürgern Wohlstand in Unfreiheit beschert hat. Der Preis ist eine Gesellschaft der moralischen Verwerfung, der Unfreiheit und der Rechtsbeugung. Die Türkei ist inzwischen das Paradebeispiel dafür, dass all dies mit der Kultur des Islam besser vereinbar ist als ein demokratisches, freiheitliches System.
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Die türkische Jugend wächst mit klaren Feindbildern auf, und die stammen allesamt aus dem Westen. Ist dem Nato-Generalsekretär klar, was das bedeutet? Dass nämlich aus einem Verbündeten ein erbitterter Gegner geworden ist. Kraftmeierische Sprüche können nicht mehr als olle Kamellen abgetan werden. Sie entsprechen inzwischen der realen Atmosphäre im Land.
und der beste absatz, der voll den finger in die wunde legt:
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Eigentlich hat die Türkei mit ihrem Einmarsch in Syrien eine rote Linie überschritten. Denn Syrien war der letzte relativ intakt gebliebene Teil des Osmanischen Reiches. Ein multikulturelles Land, in dem Muslime, Christen, Aleviten, Armenier und Syrisch-Orthodoxe, Kurden, Turkmenen und Jesiden zusammenlebten. Ein Vielvölkerstaat im Kleinen. Hier begegnet der Türkei ihre eigene blutige Geschichte. Hierher in die Wüste wurden die Armenier Anatoliens vertrieben. Hier begegnet man noch christlichen Gemeinden, die längst aus Anatolien, ihrem Stammland, verschwunden sind.
Natürlich soll an dieser Stelle nicht die Assad-Diktatur verharmlost werden. Doch was die Machthaber in Ankara stört, ist ja nicht die Diktatur, sondern der pluralistische, säkulare Charakter der syrischen Gesellschaft. Genau diesen bekämpfen sie auch in der Türkei, und gern hätten sie in Syrien ein islamistisches Regime etabliert, das ihren Vorstellungen von einer politisierten sunnitischen Glaubensgemeinschaft entspricht.
Das ist gründlich schiefgegangen. Die Verbrechen des IS haben die Welt gegen den Islamismus sensibilisiert. Jetzt rächt sich die Türkei Erdogans an den Kurden, die die Hauptlast des Kampfes gegen den IS getragen haben. Einige Zehntausend Kämpfer sollen den Fortbestand der türkischen Republik bedrohen. Aber eigentlich werden nicht die Kurden bekämpft, sondern Ungläubige, schlimmer noch: vom Glauben Abgefallene. Denn nichts anderes sind Muslime säkularer Gesinnung für Erdogan und seine Getreuen.
erstaunlich, solche einschätzungen zur türkei und syrien mal in dieser klarheit in deutschen leitmedien zu lesen.
This post was edited by Black XistenZ on Feb 26 2018 11:16am