Pferdemädchen und Pferdefrauen – Der Dressurstall des Lebens
Sie stehen früh auf. Nicht fürs Abi. Fürs Reiten.
Wer braucht Allgemeinbildung, wenn man Hengste beherrschen kann?
Stufe 1: Das Pferdemädchen
Mit elf: mehr Stall als Schule.
Mit vierzehn: Haltung wie ein Feldwebel, Mundwerk wie ein Hufkratzer.
Mit sechzehn: erster Freund? Ein Wallach namens Amadeus. Emotional verfügbar, zuverlässig, kastriert – der ideale Mann.
Mit achtzehn: Partys? Fehlanzeige. Um vier Uhr morgens muss Caramella’s Stern von Schimmelhof für die Kreismeisterschaft piaffieren.
Gefühle? Werden nicht besprochen. Nur Pferde werden verstanden. Der Rest kann gehen.
Leitsatz:
„Ein Pferd kann dir alle Knochen brechen – aber nie dein Heeeerrz!😻“
WhatsApp-Gruppen heißen „DressurQueens 🔥“ oder „Halfter Girls 🦄“.
Gesprächsthemen: Sattellage, Hufpflege, psychischer Zustand der Reitlehrerin.
Die schlimmste Beleidigung?
„Freizeitreiterin.“
Oder schlimmer: Westernsattel.
Metamorphose: Vom Pferdemädchen zur Pferdefrau
Irgendwann – zwischen Longieren, Wurmkuren und dem ersten eigenen Pferdeanhänger – passiert es.
Aus Tussi wird Titanin. Aus Mädchen wird Macht.
Stufe 2: Die Pferdefrau
Ein Biotop in Reithosen.
Erkennungsmerkmale:
🎠Reithose in Ganzjahres-Anthrazit, so elastisch wie ihre Geduld mit Anfängern.
🚙SUV mit Anhängerkupplung – das Totemtier aller Dressurkriegerinnen.
👸🏼Duftnote: Heu, Schweiß und 280-Euro-Lederpflege von „HippoLux“.
Lebensmotto: „Mein Therapeut wiegt 800 Kilo, hat vier Beine und braucht keine Worte.“
Die Pferdefrau hat Haltung. Und Haltungsschäden.
Rücken wie ein Flugsicherungstower, Blick wie ein Degen.
Tonfall?
Klingt wie der Stallmeister eines preußischen Kavallerieregiments nach zwei Schnäpsen.
Ihr Lächeln kommt selten. Wenn, dann ironisch.
Freizeit? Für sie eine Glaubensfrage.
Fünf Tage schuften, zwei Tage Turnier.
Dazwischen: putzen, füttern, trensen, korrigieren, urteilen.
Über Sitzfehler, Sattelmarken und das psychische Innenleben der Konkurrenz.
Und das liebe Geld?
Pferde kosten. Aber das ist egal.
„Man spart ja, weil man nie Urlaub macht.“
(Kleiner Insider: „Urlaub“ heißt Trainingslager mit Birgit aus der Landesreitschule – in Gummistiefeln, bei 3 Grad, auf Asphalt.)
Beziehungsstatus?
Single by choice.
„Ich brauch keinen Mann – ich hab mein Pferd.“
Oder:
Ein Mann, der längst gebrochen ist.
Abends auf der Couch, während sie „nur kurz die Bandagen richtet“ – was drei Stunden dauert und in einem Streit endet.
Sein Job: Transportdienst, Boxenausmisten, seelischer Punchingball.
Sein Name im Handy? „Anhängerhilfe 🐴“
Sein Leben?
Einmal in den Reitstiefel gepasst – und dort verschollen.
Kinder? Vielleicht.
Aber nur mit Pony im Kindergarten.
Reitstunden vor dem ersten Fahrrad.
Und der Geburtsvorbereitungskurs war ein Longierzirkel.
Fazit: Die Pferdefrau ist eine Naturgewalt.
Sie zähmt 600 Kilogramm Lebendgewicht mit Stimme, Gerte und Willen.
Sie setzt sich durch – gegen Hengste, Stallbesitzer und Schimmelpilz im Sattelraum.
Wenn du denkst, du kannst ihr was vormachen, hat sie dich längst gescannt wie ein bockiges Pony:
zügeln oder aussortieren.
Sie liebt Tiere.
Menschen?
Nur, wenn sie funktionieren.
Sonst: ab in den Hänger, Klappe zu, Tür verriegelt.