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Oct 18 2022 02:48am
Frau Oberstleutnant darf nicht Bart tragen

Anastasia Biefang ist trans und Kommandeurin der Bundeswehr, der Beweis einer modernen Truppe. Dann wird ihr sexuelle Disziplinlosigkeit vorgeworfen. Doch sie wehrt sich.


Als Anastasia Biefang das Kommando über mehr als 800 Soldatinnen und Soldaten übertragen wurde, hatte sie es geschafft, dachte sie. Auch wenn sie die irritierten Blicke spürte und die hämischen Kommentare hörte, dort in der Kaserne des Informationstechnikbataillon 381 im brandenburgischen Storkow. "Ich war eben das Zootier schlechthin", sagt sie und grinst schief. Biefang ist die erste trans Frau, die Kommandeurin der Bundeswehr geworden ist. Eine Institution, in der noch bis ins Jahr 2000 Soldatinnen und Soldaten degradiert und entlassen wurden, sobald ihre Homosexualität bekannt wurde.

Die Kommandoübergabe im Jahr 2017 war also nicht nur der Höhepunkt ihrer Karriere, sondern auch Symbol einer modernen Armee für Toleranz und Offenheit. Doch schon bald stellte sich heraus, dass Biefang und ihr Arbeitgeber sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie weit Toleranz geht. Inzwischen bereitet sie eine Verfassungsbeschwerde gegen die Bundeswehr vor.

Anastasia Biefang sitzt auf einem grünen Samtsofa in ihrem Wohnzimmer in Berlin-Friedrichshain, als sie davon erzählt. Im Hintergrund läuft die Waschmaschine. Neben ihr betteln zwei Nacktkatzen unaufhörlich nach Futter. Biefangs Haare sind an den Seiten kurz geschoren. Ihren Bart hat sie glattrasiert, ihre Beine nicht. Die Fußnägel sind rot lackiert, ihre Fingernägel nicht. Sie trägt eine schwarze kurze Hose und dazu ein schwarzes figurbetontes T-Shirt. Ihren rechten Arm ziert ein buntes Schmetterlings-Tattoo, den linken ein Regenbogen.


Sichtbarkeit, das ist Biefang heute besonders wichtig. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins QueerBw, und spricht auch in dieser Funktion mit ZEIT ONLINE: "Ich habe mich 20 Jahre lang versteckt, im Beruflichen wie im Privaten", sagt sie. Mit 20 Jahren war sie zur Bundeswehr gegangen, damals auf dem Papier noch ein Mann. Sie absolvierte die Offiziersausbildung im Generalstabsdienst, kämpfte in Afghanistan und wechselte danach ins Bundesverteidigungsministerium auf eine Referentenstelle. Erst 2015, im Alter von 40 Jahren, hatte sie ihr Coming-out als trans Frau. Heute bezeichnet sie den Moment als "Befreiungsschlag". Ihr damaliger Vorgesetzter habe positiv reagiert. Er akzeptierte, dass sie von nun an Frau Oberstleutnant Anastasia Biefang genannt werden wollte. Es schien, als stünde ihre Transition zur Frau ihrer Karriere nicht im Weg. Denn nur zwei Jahre später wurde sie zur Bataillonskommandeurin ernannt.

Wer der Bundeswehr dient, darf darüber entscheiden, als Soldat oder als Soldatin angesprochen zu werden. Doch es bleibt ein starres Regelwerk, indem genaustens festgelegt ist, wie Mann und Frau sich zu verhalten haben. Dazwischen gibt es nichts: Die Haare von Soldaten müssen kurz geschnitten sein. Soldatinnen dürfen lange Haare tragen, müssen diese aber zu einem Zopf zusammenbinden. Soldaten dürfen keine Ohrringe tragen, Soldatinnen schon. Dezentes Make-up ist nur Frauen erlaubt. Männer dürfen einen gestutzten Bart tragen. All das regelt eine zentrale Dienstvorschrift. Doch Anastasia Biefang passt in keine der beiden Kategorien. Und das will sie auch gar nicht. Sie erzählt von einer Situation im Herbst letzten Jahres. Nach einer Corona-Infektion sei sie mit einem leichten Bart in die Kaserne zurückgekehrt. Die Gesichtsbehaarung kann durch eine Hormontherapie zwar abgeschwächt, aber nicht gestoppt werden. Dass sie das für sich irgendwann akzeptieren konnte, und nicht mehr jeden morgen akribisch ihren Bart rasierte, sei für sie ein erster Schritt zur Selbstakzeptanz gewesen. Kolleginnen und Kollegen reagierten jedoch irritiert. Ob sie das denn dürfe, als Frau? Ein anderes Mal erteilte ihr ein ranghöherer Offizier vor versammelter Mannschaft den Befehl: "Nehmen Sie Ihre Ohrringe raus!" Offenbar war er davon ausgegangen, sie sei ein Mann. Den Wunsch, möglichst weiblich wahrgenommen zu werden, habe sie längst abgelegt, sagt Biefang. Die Bundeswehr dagegen hat das offenbar nicht getan.

Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin der Bundeswehr, man warte auf das von der Ampel-Koalition geplante Selbstbestimmungsgesetz, das "die gesellschaftspolitische Entwicklung weg vom binären System (Mann-Frau) aufnehmen und einheitliche Regelungen in der gesamten Bundesverwaltung" sicherstellen solle.

Anastasia Biefang im Mai 2022 am Bundesverwaltungsgericht. Ihr Dating-Profil erwecke Zweifel an ihrer "charakterlichen Integrität", findet ihr Arbeitgeber. Das Gericht stimmte zu: Sie dürfe nicht "den falschen Eindruck einer sexuellen Disziplinlosigkeit erwecken". © Sebastian Willnow/​dpa
Und es gibt offenbar noch mehr Vorschriften, die Biefang bricht, anfangs, ohne es zu wissen. 2019 ging ein Screenshot ihres Profils auf der Dating-App Tinder durch die Kaserne und landete schließlich bei ihrem damaligen Vorgesetzten. In der Beschreibung steht: "Spontan, lustvoll, trans*, offene Beziehung und auf der Suche nach Sex. All genders welcome." Laut der Bundeswehr ist dieser Text unvereinbar mit der sogenannten Wohlverhaltenspflicht in Paragraf 17 des Soldatengesetzes. Demnach müsse das Verhalten auch nach Dienstschluss "dem Ansehen der Bundeswehr sowie der Achtung und dem Vertrauen gerecht werden". Sie erhält einen Disziplinarverweis. Das Truppendienstgericht, bei dem Anastasia Beschwerde einlegte, gab ihrem Vorgesetzten recht. Ihr Dating-Profil erwecke Zweifel an ihrer "charakterlichen Integrität". Ihr Verhalten wirke sich zudem negativ auf den Ruf der Bundeswehr aus. Und auch die nächste Instanz, das Bundesverwaltungsgericht, erkennt die Rechtmäßigkeit eines zumindest geringfügigen Dienstvergehens an. Laut dem richterlichen Beschluss, der ZEIT ONLINE vorliegt, widerspricht das Bundesverwaltungsgericht zwar der Ansicht des Truppengerichts, wonach das Verhalten einer einzelnen Person das Ansehen der ganzen Institution schädigen könne. Dennoch erkennen die Richter an, dass an eine Kommandeurin "erhöhte Integritätsanforderungen" gelten würden. Bei der Suche nach Sexualpartnern auf Onlinedating-Plattformen seien deshalb Formulierungen zu vermeiden, "die den falschen Eindruck einer sexuellen Disziplinlosigkeit erwecken", urteilt das Leipziger Gericht.

Was das bedeuten soll, kann Biefang nach wie vor nicht verstehen. Ihren Namen auf Twitter hat sie inzwischen auf Anastasia "sexuelle Disziplinlosigkeit" Biefang geändert. Provokant sagen die einen, kämpferisch findet sie selbst. Besonders ärgert sie die Argumentation des Gerichts. "Das Promiskuitive, das mir hier unterstellt wird, trifft einfach nicht zu", stellt sie klar. "Ja, ich habe Sex außerhalb meiner Ehe. Aber ich betrüge meine Frau nicht. Es gibt eine Vereinbarung. Und an die halte ich mich. Das bedeutet für mich charakterliche Integrität." Von Führungskräften, die heimliche Affären pflegen, könne man das hingegen nicht behaupten.

Besonders stört sie sich an dem Wort "Wohlverhalten" im Soldatengesetz. "Wo ist festgehalten, was unter Wohlverhalten zu verstehen ist? Was soll das überhaupt sein? Und wer entscheidet das?", fragt Anastasia. Die Vorschrift stammt aus den 1950er Jahren und beinhalte völlig rückständige Moralvorstellungen. Ihr sei bewusst, dass für sie als Soldatin ihres Ranges besondere Anforderungen gelten. Wenn sie nachts angerufen werde, würde sie zu jeder Zeit für dieses Land in den Krieg ziehen. "Aber auch als höhere Staatsbedienstete möchte ich meine Sexualität frei ausleben dürfen. In meiner Freizeit, da bin ich Anastasia, da bin ich privat."

Sie will nun Verfassungsbeschwerde einreichen, unterstützt von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF). Die Organisation sieht in dem Urteil Anastasias Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt. Außerdem hat sie eine Petition ins Leben gerufen, in der sie eine Überarbeitung der außerdienstlichen Wohlverhaltenspflicht für Soldatinnen und Soldaten fordert. Die Petition trägt den Namen: "Zu queer für die Bundeswehr?"

Die Frage, ob sie sich seit dem Vorfall anders verhalte, verneint sie sofort. "Nein, das ist ja gerade das, was sie wollen. Sei nicht zu laut, nicht zu bunt, nicht zu queer. Aber den Gefallen tue ich ihnen nicht." Das Urteil gegen sie führe schon jetzt dazu, dass queere Soldatinnen und Soldaten vorsichtiger seien, wie und was sie von sich preisgeben, sagt Biefang. Am Wochenende wolle sie auf die Folsom Parade in Berlin gehen, das größte Fetisch Festival in Europa. Stolz erzählt sie, dass sie dort ihren schwarzen Latex-Suit tragen werde. Provokant sagen die einen, authentisch findet Biefang. "Es darf nicht sein, dass wir uns wieder verstecken", sagt sie.

Trotzdem kommen bei Biefang in letzter Zeit Zweifel auf. Nach ihrem Coming-out verspürte sie "einen unglaublichen inneren Antrieb", sie habe sich endlich frei gefühlt, sagt sie. Nun sieht sie sich wieder gefangen, wenn auch in einer anderen Rolle. "Ich will nicht nach diesen heteronormativen Maßstäben leben. Ich will meinen eigenen Weg gehen", sagt sie. Manchmal habe sie das Gefühl, sie sei für die Bundeswehr nicht mehr als ein Aushängeschild für Offenheit und Toleranz. "Als aber mein privates Tinder-Profil bekannt wurde, war es vorbei mit der Toleranz", sagt Biefang. Auf die Frage, ob sie jemals darüber nachgedacht habe, einen anderen Beruf auszuüben, antwortet sie: "Ich bin gerne Soldatin. Ich weiß, wofür ich diene. Für die Werte unserer Gesellschaft. Dazu gehören aber auch Vielfalt und Akzeptanz. Und das würde ich so auch gerne in meinem Dienst erleben – in jeder Hinsicht."


https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2022-10/anastasia-biefang-transexuelle-soldatin-bundeswehr-queer


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Oct 18 2022 02:49am
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Oct 18 2022 03:04am


Wenn selbst tsumo recht hat.
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Oct 18 2022 03:12am
Verpiss dich Flüchtlingsincel :rolleyes:
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Oct 18 2022 03:19am
wurde bei der musterung me too´d

damals in jülich :cry:
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Oct 18 2022 03:26am
als ob ich mehr als die sekunden für diesen post verschwenden würde, eine wall oft text über ne pimmelfrau zu lesen :lol:
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Oct 18 2022 03:31am
Quote (Suckerkuh @ Oct 18 2022 11:24am)
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ein


Pimmelfrau
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