
Hacken wie in alten Zeiten
Ähnlich wie bei Starcraft 2 wagt Blizzard in Punkto Gameplay nur wenig: Diablo 3 wird nicht wie vielerorts vermutet als MMO erscheinen, sondern bietet klassisches Hack’n Slay-Gemetzel in seiner reinsten Form. Will heißen: Die Steuerung bleibt gewohnt intuitiv, soll aber weiter verbessert bzw. vereinfacht werden, die Kämpfe verlaufen temporeich und actionlastig, ohne Einsteiger mit unnötigem Taktikfirlefanz zu überfordern.
Die größte Neuerung
Statt einfach wild auf die dämonischen Monsterhorden einzuhacken, können die Spieler nun frei mit der Umgebung interagieren. Dank einer eigens erstellten Physik-Engine lässt sich ein Großteil der Innen- und Außenlevels zerstören bzw. manipulieren. So können Sie beispielsweise in Gefahrensituationen eine nahe Mauer einreißen, die Angreifer unter sich begräbt.
Auch die beliebten Script-Events, etwa wenn Sie einen geheimen Schrein berühren oder eine Tür durchschreiten, profitieren nun von der lebendigeren Spielwelt. In einer Szene des WWI-Trailers stürzen beispielsweise zentnerschwere Steine von der Decke einer Kathedrale und reißen gerade die Brücke ein, die der Spielcharakter eigentlich passieren wollte. Da hilft nur die Suche nach einem alternativen Weg.
Wie in den Vorgängern werden alle Levels zufallsgeneriert, auch die Skriptsequenzen sollen deutlich dynamischer werden und sich von Spiel zu Spiel unterscheiden – es lohnt sich also Diablo 3 mehrmals durchzuspielen. Unter absoluter Geheimhaltung steht übrigens das komplett überarbeitete Questsystem – derzeit ist nur bekannt, dass sich die Art, wie Sie Ihre Aufträge erhalten, von Diablo 2 unterscheiden soll.
Mit Muskeln und Insekten
Doch mit wem bekämpft man eigentlich die Heerscharen der Hölle? Natürlich wird es wieder eine ganze Reihe wählbarer Charakterklassen geben. Für das fertige Spiel plant Blizzard fünf Klassen, erstmals darf man sogar wählen, ob man als kraftstrotzender Hüne oder zierliche Kämpferin durch die Lande Sancturios zieht. Auf der Messe wurden allerdings nur zwei Charaktere angekündigt: der bereits bekannte Barbar und der Hexendoktor, eine neue Klasse.
Echte Diablo-Fans dürften beim Anblick des mächtigen Barbaren sofort nostalgische Gefühle entwickeln – rein äußerlich erinnert der Nordmann frappierend an sein D2-Vorbild. Auch dessen Skills und Fähigkeiten werden Veteranen schnell wieder erkennen: Kriegsschreie, Betäubungsschläge und der verheerende Wirbelsturm feiern ihr Revival, andere Attacken wie ein riesiger Hammer aus Geisterenergie oder Schockwellen sind neu im Repertoire des versierten Kriegers.
Komplett neu im Heldensortiment ist der Hexendoktor. Dieser Schamane ist witzigerweise einer Charakterklasse aus Warcraft 3 nachempfunden und nutzt sogar dessen Fähigkeiten: Um seine Gegner zu bekämpfen, entsendet er tödliche Insektenschwärme, die sich durch Fleisch und Knochen fressen. Außerdem beschwört er schleimige Helferlinge, entzündet massive toxische Explosionen oder schlägt seine Feinde per Fear-Zauber in die Flucht.
Egal welche Klasse man letztlich wählt: Blizzard möchte allen Spielern die Möglichkeit geben, ihren Charakter noch besser zu spezialisieren und in die Richtung zu entwickeln, die den eigenen Spielvorlieben am ehesten entspricht. Über die Talentbäume ist zwar bisher noch nichts bekannt, allem Anschein nach wird man sich aber an Diablo 2 oder World of Warcraft orientieren.
Darf nicht fehlen: Der Wirbelsturm-Angriff des Barbaren.
Plastische Metzeleien
Natürlich muss eine echte Fortsetzung auch grafisch immer den nächsten Schritt machen. Und obgleich Diablo 3 zwar den logischen Schritt in die dritte Dimension wagt, fällt dieser relativ zaghaft aus. Ausgedehnte Shader-Spielereien wird es also auch in diesem Blizzard-Titel nicht geben, wie gewohnt achten die Irviner darauf, dass ihr neuester Titel auch auf älteren System läuft. Dafür stimmt jedoch die Atmosphäre.
Stilistisch greift Diablo 3 den leichten Comic-Charakter eines jeden Blizzard-Titels auf. Klar gezeichnete Strukturen, satte Farben und verspielt-detaillierte Umgebungen dominieren die optische Präsentation. Die Effekte wirken wuchtig, die Animationen sehen schon jetzt extrem geschmeidig aus. In den Außenlevels weht eine sanfte Brise durch die Bäume, Flüsse bahnen sich ihren Weg, der Himmel wird von gleißenden Blitzen erhellt.
So fantasievoll die Designer bei der Gestaltung der Spielwelt zu Gange waren, so ausufernd gibt man sich bei der Darstellung von Gewalt. Es spritzt und splattert aus allen Richtungen, wenn sich der Barbar durch die Reihen der Dämonen schnetzelt. Leichen platzen, Fleischfetzen fliegen in hohem Bogen durch die Luft, der Boden färbt sich blutrot. Ganz klar, Diablo 3 wird kein Kinderspiel.
Besonders bezeichnend ist z.B. folgende Situation: Wir beobachten eine Schar boshafter Priester bei einem grausigen Opferritual. Mit einer ekelerregenden Explosion zerreißen sie drei Jungfrauen förmlich in der Luft. Doch aus den Kadavern der Opfer erhebt sich etwas viel Grauenerregenderes. Knochen setzen sich zusammen, Muskeln formen sich, das Blut, welches eben noch den Boden benetzte, erschafft ein riesiges Bossmonster – spektakulär!
Magisch: Zaubersprüche werden mit ansprechenden Effekten dargestellt.
Kleinvieh macht auch Mist
Ansonsten setzt Blizzard auf viele kleine Verbesserungen im Detail. So blendet man die Minimap nun nicht mehr auf Tastendruck ein. Die Karte weist nun jederzeit in der rechten oberen Ecke den richtigen Weg. Heiltränke werden durch kleine Essenzen ersetzt, die von den Gegnern hinterlassen werden und schon bei ihrer bloßen Berührung die Lebenssäfte erneut aufladen.
Darüber hinaus tastet Blizzard viele der bewährten Features klugerweise nicht an: Noch immer gibt es Items in den verschiedensten Qualitätsstufen, mehrere Schwierigkeitsgrade (sowie möglicherweise ein Hardcore-Modus) verlocken zu erneutem Durchspielen und gesockelte Gegenstände lassen sich mit Juwelen veredeln. Ob der beliebte Horadrim-Würfel zurückkehrt, steht bisher noch nicht fest.
Klar ist jedoch: Gerade in Punkto Mehrspieler muss Blizzard nachbessern. Zwar erfreut sich dieser Modus selbst heute noch größter Beliebtheit, doch war dieser immer ein Ziel von Hackern und Cheatern. Blizzard möchte mit einem komplett überarbeiteten Battle.Net dagegenhalten, samt verbesserter Sicherheitsfeatures und neuer Funktionen, die den Spielspaß in ungeahnte Höhen treiben.
Über Details hält man sich allerdings bedeckt. Sicher ist, dass man vermehrt auf PVP-Features setzen möchte und sogar Pläne für mögliche E-Sport-Aktivitäten im Hinterkopf hat. Der kooperative Online-Teil wird wieder eine wichtige Komponente darstellen, nach aktuellen Planungen soll man mit maximal acht Spielern gleichzeitig durch Sancturio streifen können.


Quelle: CHIP.de
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