Quote (duffman09 @ 6 Dec 2021 15:31)
All diese Zahlen zur Inzidenz sind halt immer stark verzerrt.
Genannte Effekte wie „ungeimpfte Schüler testen mehr“ oder „ungeimpfte Arbeitslose testen weniger“ lassen sich nur sehr schwer quantifizieren und noch weniger lassen sie sich gegeneinander verrechnen.
Was man dazu haben müsste, sind komplett nach Zufallsprinzip ausgewählte repräsentative Testgruppen und daraus ermittelte Positivenraten.
Die Zahlen aus England sind dazu das beste was wir haben und selbst die sind scheiße.
Ich behaupte: Würden Geimpfte den Virus deutlich weniger verbreiten als ungeimpfte, dann hätten wir eine vierte Welle in dem Ausmaß gar nicht erlebt. Ganz banale, für mich plausible Begründung.
Wertlose Anekdote: die Corona Fälle in meinem privaten Umfeld in den letzten Wochen betrafen ausschließlich geimpfte.
Schützt die Impfung vor Ansteckung: kaum
Schützt die Impfung vor Hospitalisierung/schwerem Verlauf: ja, eindeutig.
Die Solidarität geht also genau so weit, dass ein geimpfter mit geringerer Wahrscheinlichkeit ein Bett belegt, nicht mehr und nicht weniger.
Jemand der nicht raucht, keinen Alkohol trinkt, nicht fett ist und keine Risikosportarten betreibt, ist ebenso solidarisch.
ich denke das ist ein sehr schwer quantifizierbarer aspekt: würde die impfung eine weitestgehend sterile immunität, also schutz vor ansteckung an sich, bieten, so würden die geimpften auch bei einer impfquote unter erwachsenen von "nur" 77% ganz viele infektionsketten abblocken und daher das infektionsgeschehen insgesamt erheblich ausbremsen.
mit irgendwelchen netzwerkmodellen müssten man das wirklich im detail modellieren, aber das wird schnell wahnsinnig kompliziert, nicht nur für uns laien sondern selbst für wissenschaftler, deren fachgebiet sowas ist.
es kann schon sein, dass wenige prozent unterschied bei der effektivität der impfungen vor ansteckung (sagen wir 70% statt 80%) wegen dieser netzwerkeffekte einen weit überproportionalen einfluss auf das infektionsgeschehen haben. könnte mir gut vorstellen, dass das den unterschied zwischen einem R(t) von 0.9 und einem von 1.15 oder so ausmacht.
dazu passt auch, dass die modellierungen des RKI von Juli das infektionsgeschehen unterschätzt haben - wir haben in deutschland in der praxis mit einer 75% impfquote bei den 18-59 jährigen einen verlauf gesehen, den die RKI-modelle für eine 65er impfquote in dieser altersgruppe prognostiziert hatten. dass der übertragungsschutz der impfungen schon nach 3-4 monaten anfängt abzubauen statt erst nach 6 hat afaik auch die wissenschaftler selbst überrascht.
ist aber auch unterm strich alles egal. die ganze bevölkerung alle 4 monate zwangsimpfen ist vielleicht eine krücke um durch 2022 zu kommen, aber langfristig ist das keine option. sich auf den übertragungsschutz der impfungen zu verlassen ist auf dauer einfach nicht praktikabel.
This post was edited by Black XistenZ on Dec 6 2021 09:04am