Quote (0x00 @ Sep 16 2020 09:13am)
Direktes Helfen vor Ort, auch und vor allem den vielen Einheimischen die schon viel länger Probleme haben, das ist - im Sinne der Befriedigung des eigenen Wohlfühlbedürfnisses - deutlich anstrengender als sich einfach der
kollektiven, von Medien, Politik und NGOs maßgeblich vorangetriebenen Hypermoralisierung des Flüchtlingsthemas anzuschließen.
Denn letzteres bietet den Vorteil, dass dank Sozialisierung der Folgen erst einmal und vor allem kurzfristig nicht notwendigerweise für einen persönlich irgendwelche Aufwände oder Nachteile fühlbar sind.
Naiv und kurzsichtig, das sind zwei Primärattribute des Archetypus Gutmensch.
Das Gefühl, "zu den Guten" zu gehören, oder "die richtige Seite gewählt zu haben" ist ebenso noch ein nicht zu unterschätzender Faktor ( diesen kann man auch bei ganz anderen Themen sehr gut beobachten,
z.B. bei "Fanboy-Kriegen" zwischen "Anhängern" von Intel oder AMD - für diejenigen, die davon mal was mitbekommen haben ).
Dieser Faktor scheint auch eine große Rolle zu spielen bei der Aggressivität, die "der anderen Seite" bzw. "Andersdenkenden" gegenüber an den Tag gelegt wird; auch hier wieder 1:1 austauschbar zwischen so unterschiedlichen
Themen wie "Gutmensch" oder "CPU-Hersteller-Fanboy".
Es geht bei online Diskussionen kaum darum, was man selbst glaubt, sondern nur darum, wie viel Zuspruch man von anderen erhalten kann. Die Menschen suchen Bestätigung. Manchmal aber auch bloße Konfrontation.
Das betrifft alle Seiten gleichermaßen.
Die Verweigerung der Konfrontation von Problemen der „eigenen Seite“ macht jede Plattform im Netz zu einer bubble.
Perfekt demonstriert im aktuellen US Wahlkampf.
Zwei Fronten: dems und reps. Zwei Foren: r/conservative und r/politics (bzw die tatsächlichen „Foren“ sind die Media outlets, Reddit ist nur ein verlängerter Arm der es extern diskutiert, ebenso wie Twitter Facebook usw.)
Beide Seiten versuchen so viel dreck der anderen aufzuwühlen wie möglich.
Dann gibt es appellierende Artikel, die immer nur an die eigene Seite appellieren. Diese schaukeln sich dann durch Gegenseites hypen und liken hoch und geraten in völlige Extase aus Freude über sich selbst und Hass auf die anderen.
Dann wird mit dem Finger auf „die anderen“ gezeigt.
In Wirklichkeit müsste man sich aber genau umgekehrt mit den Themen auseinandersetzen. Die dems müssten den eigenen Müll aufarbeiten und reflektiert darüber diskutieren und die reps über ihren eigenen müll. Anstelle von dems und reps kannst du das auch auf alle deutschen Parteien beziehen. Die Medien müssten darüber objektiv Und gleichberechtigt, ohne politische Agenda (bzw. nicht in diesem extremen Ausmaß) berichten, sodass sich der Der Leser eine umfassende Und kritische Meinung Bilden kann, statt nur die bereits vorhandene immer wieder zu bestätigen.
Kritischen Denken würde gefördert werden, die Kritik würde sich mal gegen „sich selbst“ und mal gegen „die anderen“ richten und so kann am Ende auch Konsens entstehen. Es kann Beim Leser natürlich auch eine Meinung entstehen, wenn man permanent nur Mit Dingen aus einer Richtung konfrontiert wird. Diese wird aber hauptsächlich entweder extrem positiv oder extrem negativ sein, keinesfalls aber ausgewogen.
Konsens ist bei der aktuellen Debattenkultur aber gar nicht mehr möglich. Im Gegenteil, die Permanente Bestätigung innerhalb der eigenen bubble Führt zur radikalisierung auf beiden Seiten, die immer weiter auseinander driften.
Soziale Medien sind ein Gift für die Gesellschaft, weil jeder permanent eine Meinung haben kann die jedem zugänglich ist. Weil diese Meinungen zu kurz gedacht oder gar nicht bedacht sind, entstehen permanente Missverständnisse, Widersprüche und falsche Behauptungen. Da mag zwar auch richtiges drin stecken, es geht aber im Sumpf der allgemeinen Sinnlosigkeit vollkommen unter.
Das Ergebnis sind Menschen wie bonespirit, die über Dinge fabulieren die sie nicht verstehen. Das Problem ist nur, dass dieser Unsinn so viel Anklang findet, dass es sogar in die Politik überschwappt, die dann mit eben diesem Schwachsinn Politik macht. Weil es einfach ist, mal eben etwas zu sagen und dafür schnell Zustimmung zu erhalten Oder sich auf die eigene Moralvorstellung einen runterzuholen, ohne über irgendwelche realen Folgen nachzudenken.