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Weitere variable Faktoren, die einen Einfluss auf den Proteinbedarf haben
Es ist gut fundiert belegt, dass die Energiezufuhr einen substanziellen Einfluss auf die Stickstoffbilanz hat (der Leser wird hierfür auf folgende hervorragende Veröffentlichungen verwiesen: Milward(34) und Munro(35)). In einer kürzlich erschienenen Veröffentlichung fasst Milward dieses Thema wie folgt zusammen: "Es müssen weitere Studien zum Energiebedarf durchgeführt werden, denn wenn der Energiebedarf unterschätzt wird, führt dies zu einer Überschätzung des Proteinbedarfs und umgekehrt." Das logische Grundprinzip besagt, dass eine Reduzierung der Energiezufuhr dazu führt, dass vermehrt gespeicherte Aminosäuren zur Energieversorgung heran gezogen werden(23). In diesem Zusammenhang analysierten Pellot und Kollegen (wie bei Milward(34) zitiert) den Einfluss einer variierenden Kalorienzufuhr im Bereich von 2100 bis 4200 Kalorien bei einer Serie von Studien, welche den täglichen Proteinbedarf untersuchten. Sie fanden heraus, dass der Proteinbedarf, der für eine ausgeglichene Stickstoffbilanz benötigt wird, bei einer Zufuhr von 30, 45 und 60 kcal / Kilogramm Körpergewicht bei 1,42 ; 0,87 ; und 0,32 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag lag. Nach ihrer Berechnung benötigt ein 90 Kilo schwerer Mann bei moderater körperlicher Belastung bei einer Kalorienzufuhr von 2700 kcal (30 kcal / Kilogramm Körpergewicht) 123 Gramm Protein pro Tag, um eine ausgeglichenere Stickstoffbilanz zu erreichen. Wird die Kalorienzufuhr auf 4000 kcal / Tag (45 kcal / Kilogramm Körpergewicht) erhöht, fällt hierdurch der Proteinbedarf auf ca. 80 Gramm pro Tag ab. Aus diesem Grunde könnte die Kombination von reduzierter Kalorienzufuhr und vermehrter körperlicher Aktivität den Stickstoffbedarf (und damit den Proteinbedarf) stärker erhöhen als bisher angenommen.
Ein weiterer variabler Faktor, der den Proteinbedarf beeinflusst, ist die Dauer intensiven Trainings. Von besonderem Interesse ist hierbei eine Trainingsdauer, welche die in bisherigen Studien zur Bestimmung des Zusammenhangs zwischen Stickstoffbilanz und Widerstandstraining verwendete Trainingsdauer überschreitet. In den meistzitierten Studien zu diesem Thema(13, 15, 27) übersteigt die verwendete Trainingsdauer in der Regel nicht die 75 Minuten. Dies verleitet McArdle und Kollegen zu der Aussage, dass "wissenschaftliche Untersuchungen den Proteinbedarf für Sportler, welche täglich 4 bis 6 Stunden einer Variante des Widerstandstrainings durchführen, noch nicht bestimmt haben.(12)."
Es soll an dieser Stelle auch darauf hingewiesen werden, dass zum Widerstandstraining zusätzlich durchgeführtes Ausdauertraining den Proteinbedarf weiter erhöhen könnte(27). Um diese zu demonstrieren, ließ Consolazi(36) Probanden eine Kombination von Widerstandstraining und Ausdauertraining über einen Zeitraum von 40 Tagen durchführen. Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt, von der eine 2,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht/pro Tag zu sich nahm, wogegen die Proteinzufuhr bei der zweiten Gruppe nur bei 1,4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag lag. Die Forscher fanden heraus, dass bei der Gruppe mit hoher Proteinzufuhr die Stickstoffbilanz positiver und der Zuwachs an magerer Körpermasse größer ausfielen als bei der Gruppe mit geringerer Proteinzufuhr, und das obwohl die Zufuhr von 1,4 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag bei der Gruppe mit geringerer Proteinzufuhr im Vergleich zur Empfehlung für die Proteinzufuhr beim Normalbürger recht hoch war. Lemon und Kollegen(27) postulierten, dass diese Studie unterschiedliche Sachverhalte vermischt, da Ausdauertraining die Verbrennung von Protein stärker erhöht, als Widerstandstraining. Weiterhin verstärken sowohl Ausdauertraining als auch Widerstandstraining die Proteinsynthese, was Lemon und Kollegen(27) zu der Schlussfolgerung führte, dass die additive Wirkung von Widerstandstraining und Ausdauertraining den Proteinbedarf im Vergleich zu Widerstandstraining alleine erhöhen könnte. Weitere Untersuchungen an Sportlern, die Widerstandstraining und Ausdauertraining kombinieren, könnten wichtige neue Erkenntnisse bringen.
Es ist wichtig zwei kritische Punkte weiter zu untersuchen, die Lemon und Kollegen(27) in ihrer Veröffentlichung ansprachen. Als erstes hoben die Autoren die Bedeutung der erhöhten Proteinsynthese durch das Training hervor, und als zweites vermuteten sie, dass sich die kurzzeitigen Erhöhungen der Proteinsynthese, welche bei unterschiedlichen Arten von sportlicher Betätigung beobachtet werden können, additiv verhalten. Diese brachte Lemon(23) dazu, die Bedeutung verschiedener Maßnahmen oder Supplements zu untersuchen, welche die normale anabole Reaktion auf das Training potenzieren könnten. Es gibt z.B. Hinweise darauf, dass Kreatin die Proteinsyntheserate nach einer Trainingseinheit erhöhen kann(23, 37). Diese zusätzliche Anregung der Proteinsynthese könnte auf einer verstärkten myofibrillaren Hydration(38, 39) oder einer verstärkten Anregung, ausgelöst durch eine erhöhte Trainingskapazität(23), beruhen.
Metabolic WheyMetabolic Whey
Es ist wichtig die additiven Effekte der kurzfristigen Erhöhung der Proteinsynthese hervorzuheben. Man vermutet, dass wenn eine Person eine ausreichende Menge an Aminosäuren zu sich nimmt um den spezifischen Bedarf zu decken, eine weitere Erhöhung der Proteinsynthese durch eine verringerte Proteinsyntheserate in den Zeiten nach der Absorption ausgeglichen wird(40). Diese Vermutung steht jedoch im Wiederspruch zu Forschungsergebnissen, die zeigen, dass eine starke Erhöhung der Proteinsynthese der Skelettmuskulatur (= muscular protein synthesis = MPS) additiv zur normalen MPS ist und dass es anscheinend nicht zu einer Kompensation während der Nacht kommt(40).
In diesem Zusammenhang könnte eine Erhöhung der Trainingshäufigkeit die individuelle Kapazität einer Person zur Verwendung von Aminosäuren für die Proteinsynthese erhöhen, was einen Teil der Zuwächse an fettfreier Körpermasse erklären könnte, welcher bei erfahrenen Gewichthebern beobachtet werden kann, die ihr Trainingspensum von einer Trainingseinheit auf zwei Trainingseinheiten pro Tag aufteilen(41 – 43).
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Die aktuellen Trends beim Proteinbedarf
Eine Anzahl aktueller Studien kam zu variierenden Ergebnissen für jede gegebene Proteinmenge, wenn Faktoren wie Timing der Proteinzufuhr, Schema der Proteinzufuhr und die Gesamtkalorienzufuhr bei den Probanden verändert wurde(18). In diesem Zusammenhang wäre es wahrscheinlich zu simplifizierend einen "allgemeingültigen" Wert für den Proteinbedarf festzulegen. Es ist jedoch bekannt, dass Aminosäuren wirkungsvolle anabole Prozesse anregen. Außerdem scheint es so, als ob eine relativ hohe Proteinzufuhr die körperliche Leistungsfähigkeit steigert, eine positive Stickstoffbilanz verbessert und den Aufbau magerer Körpermasse fördern kann. Wolfe fasst dies wie folgt zusammen: "Unsere Ergebnisse, zusammen mit nahezu allen Daten zu diesem Thema in der Fachliteratur, legen nahe, dass eine Erhöhung der Aminosäurezufuhr die Muskelmasse erhöhen wird, wenn alle anderen variablen Faktoren konstant bleiben. Auch wenn dieses Konzept im Gegensatz zur gängigen Sichtweise steht, gibt es eine Fülle von Beispielen aus dem richtigen Leben, bei denen übergewichtige Menschen ihre Muskelmasse trotz vorwiegend sitzender Beschäftigung signifikant erhöhen konnten. Folglich ist es wahrscheinlich, dass eine Erhöhung der Aminosäurezufuhr den Anabolismus der Muskulatur fördert und zwar egal, ob es sich um defizitäre Individuen, wie ältere Menschen, oder um körperlich aktive Sportler, die ihre Muskelmasse vergrößern wollen, handelt. Die genaue ernährungstechnische Vorgehensweise bestimmt das Ausmaß der anabolen Reaktion(18)."
Zusammenfassung zum Proteinbedarf
Wenn man alle Forschungsergebnisse zusammenfasst, dann scheint der Proteinbedarf bei Kraftsportlern erhöht zu sein. Dieser erhöhte Bedarf wird auf erhöhte Oxidationsraten körpereigener Aminosäuren während des Trainings(27), den erhöhten Bedarf an Baustoffen für die Reparatur des beschädigten Muskelgewebes(12) und die Kapazität einer erhöhten Proteinsyntheserate, um größere Mengen an Muskelgewebe aufrecht zu erhalten, (18) zurück geführt. Die zur Bestimmung des Proteinbedarfs verwendeten Techniken umfassen Methoden zur Bestimmung der Stickstoffbilanz (15 – 17) , Tracertechniken (13), sowie die Bestimmung von körperlicher Leistungsfähigkeit und Körperzusammensetzung(28, 29).
Studien, die mit der Bestimmung der Stickstoffbilanz arbeiten, legen nahe, dass die Proteinmenge zum Erreichen einer ausgeglichenen Stickstoffbilanz im Bereich von 1,2 bis 2,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht liegt(1,7,14,23,24,31-33). Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass die Stickstoffeinlagerung sich erhöht, wenn die Stickstoffzufuhr steigt(16) . Hengsted(16) präsentierte eine Serie von Studien, die zu dem Schluss kommen, dass 20 % des über dem Bedarf zugeführten Stickstoffes im Körper einbehalten wird. Diese Ergebnisse können jedoch nicht in einen Aufbau magerer Muskelmasse umgerechnet werden(13, 15 – 16). Es gibt zwei Begründungen für diese Ergebnisse.
Die erste ist, dass die Stickstoffeinbehaltung durch den Körper von Natur aus überschätzt wird(16), da die Stickstoffausscheidung unterschätzt wird(16). Eine zweite Erklärung ist, dass die Gesamtdauer der meisten Studien zur Stickstoffbilanz zu kurz ist, um eine signifikante Zunahme an fettfreier Körpermasse messen zu können(1).
In jüngster Vergangenheit wurden Tracer-Techniken angewendet und die Ergebnisse unterstützen die durch Studien zur Stickstoffbilanz festgestellten Werte bzgl. des Proteinbedarfs(13, 24). Tarnopolsky und Kollegen(13) fanden heraus, dass die Proteinsynthese bei moderater Proteinzufuhr (1,4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag) stärker ausfiel, als bei geringer Proteinzufuhr (0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag). Auch wenn es zu einer Steigerung der Proteinsyntheserate um 8,6 % bei einer Steigerung von moderater zu hoher Proteinzufuhr (2,4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag) kam, ist diese Steigerung zu gering, um als signifikant angesehen werden zu können. Die Autoren der Studie vermuten, dass dieser nichtsignifikante Verlauf die Vermutung unterstützt, dass der Proteinbedarf von Sportlern näher bei 1,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag liegt. Weiterhin stieg die Oxidationsrate von Leucin bei hoher Proteinzufuhr im Vergleich zu moderater Proteinzufuhr stark an. Dies wurde als Hinweis darauf gedeutet, dass eine Proteinzufuhr, über den Bedarf hinaus, zur Energieversorgung heran gezogen wird.
Unglücklicherweise werden diese Ergebnisse dadurch etwas verfälscht, dass die erhöhte Proteinzufuhr durch eine Supplementation mit Wheyprotein erreicht wurde, welches die Proteinqualität der Ernährung verbessert. Dies könnte zu einer Unterschätzung des Proteinbedarfs von Sportlern führen, welche ihren zusätzlichen Proteinbedarf durch eine erweiterte Zufuhr von Protein aus natürlichen Proteinquellen decken. Weiterhin ist Whey ein schnellverdauliches Protein, welches dafür bekannt ist, dass es die Lecinoxidation steigert
(5, 6). Aus diesem Grund könnte die beobachtete Erhöhung der Oxidationsrate sowohl durch eine Erhöhung der Gesamtproteinzufuhr, als auch durch eine prozentuale Erhöhung des Wheyproteinanteils der Gesamtproteinzufuhr hervorgerufen werden. Es bedarf also weiterer Studien, um zwischen diesen beiden Faktoren zu unterscheiden.
In letzter Zeit hat eine ganze Anzahl von Studien den Einfluss einer höheren Proteinzufuhr auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die Körperzusammensetzung untersucht(28 – 30). Ein Teil dieser Studien unterstützt die Effizienz einer höheren Proteinzufuhr und wiesen eine Kraftsteigerung sowie eine Zunahme an fettfreier Körpermasse nach(28 – 30). Dies führte Wolfe zu der Schlussfolgerung, dass eine Erhöhung der Proteinzufuhr "eine Zunahme an Muskelmasse bewirkt, wenn alle anderen variablen Faktoren gleich bleiben (40)."
Es ist weiterhin bekannt, dass eine Anzahl variabler Faktoren die benötigte Proteinzufuhr beeinflussen. Der wahrscheinlich kritischste dieser Faktoren ist die Energiezufuhr. Wenn bei einem Individuum ein Kaloriendefizit auftritt, ist der Proteinbedarf höher als bei Zufuhr der Erhaltungskalorienmenge oder eines Kalorienüberschusses(34).
Schließlich wurde in letzter Zeit die These aufgestellt, dass ein allgemeingültiger Wert für den Proteinbedarf nicht gefunden werden kann, da viele Studien zeigen, dass unterschiedliche Ergebnisse bei der selben Proteinmenge erzielt werden, wenn eine Anzahl variabler Faktoren verändert wird(1). Der Rest dieser Veröffentlichung wird sich mit einer Anzahl dieser variablen Faktoren im Detail beschäftigen.
blablabla
sorry muss ebn weg
This post was edited by dSinner on May 19 2010 12:16pm